Liege ich bei der Psychotherapie vor allem auf der Couch und erzähle über meine Kindheit?
Dauert eine Psychotherapie viele Jahre?
Dieses häufig in Cartoons skizzierte Bild beschreibt lediglich eine einzige Form der vielen Psychotherapie-Methoden: Die klassische Psychoanalyse. Sie wird nicht mehr allzu häufig eingesetzt und ist meist mit sehr hohen Stundenzahlen verbunden (oft viele hundert Stunden über viele Jahre). Solche psychoanalytischen Langzeittherapien konnten sich in Studien nicht als wirksamer erweisen, als kürzere moderne Verfahren wie die moderne Tiefenpsychologie, die klientzentrierte Gesprächspsychotherapie oder die kognitive Verhaltenstherapie, welche meist mit 30 bis 100 Stunden auskommen. Wenn Sie sich also in einer Psychotherapie befinden, in welcher Sie nach einem Jahr regelmäßiger Sitzungen noch keine substantiellen Änderungen merken, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass hier etwas falsch läuft - außer Sie arbeiten wenig mit oder Ihre Erkrankung ist besonders schwer chronifiziert.
Auch sollte der Fokus bei moderner Psychotherapie nicht prinzipiell überwiegend auf der Kindheit liegen. Wenngleich die Kindheit wichtig ist für die Entstehung (und auch Störung) psychischer Muster, so ist es oft die Gegenwart, an welcher angesetzt werden muss, um die aktuellen Probleme zu lösen.